Nachtschatten

Schönschrift.
Als die Frau in den Park ging,
war der Mann schon drin,
und hintendrein kam die Nacht
und für beide wurde es dunkel.

Die Prostituierte wollte sich prostituieren,
und der Mörder wollte morden
wie die Fliegen fliegen wollen,
aber die meisten waren schon gefressen,
von den Vögeln die schon schliefen,
und im Dunkeln waren die Laternen ausgefallen.

Die Prostituierte wollte verdienen
und der Mörder nicht zahlen,
diesmal nicht und
bei keiner wollte er zahlen -
ohnehin hätten die Huren sich davon
nichts mehr kaufen können.

Erst viel später zahlte er
für alle und alles auf einmal: mit Jahren
in einer Zelle und lebenslänglich vergittert
und in einem großen Album blätternd
mit den Bildern der Frauen
und darunter fein säuberlich die Namen
(aus der Presse).
Fein säuberlich, denn
mit dem Stift wußte er
so trefflich umzugehen wie mit dem Messer
und überließ nichts dem Zufall,
den er haßte, wie er die Frauen liebte
und sein Handwerk.

Und wenn er nicht gestorben ist,
dann blättert er noch heute:
am liebsten, wenn das Mondlicht
durchs Fenster scheint, das macht sie
so schön, die Frauen, wie damals fast,
als sie still vor ihm lagen
und über ihnen der Mond sich entsetzte.

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